Dadaismus  – Steckenpferd der Kunst

Void/ Leere von Anish Kapoor courtesy Lisson Gallery, London

 

‘Dadaismus  – Steckenpferd der Kunst’
von Daniela Haberz, M.A., Kuratorin
anläßlich der Ausstellung ‘Synästhesie von Daniel Krammer’
im Rahmen von ‘Zu Gast am Schlossberg’ 2018

Die Kurzform für die Kunstrichtung Dadismus, ‘Dada’, aus dem französischen Kindersprachgebrauch übersetzt bedeutet ‘Hottehü’, Pferdchen oder Steckenpferd, wobei ich die Übersetzung ‘Steckenpferd’ auch hinsichtlich der Bedeutung als Aushängeschild der Kunstrichtung am passendsten erachte.

Der Begriff wurde von Tristan Tzara erstmalig in den 1920er Jahren im französischen Wörterbuch Larousse entdeckt und somit als Kunstrichtung für die damalige Pariser Gruppe definiert. Bereits zu dieser Zeit gab es jedoch Streit um die Erfindung des Namens Dadaismus und andere Vertreter der zuerst losen Gruppierung beanspruchten die Namensfindung für sich, also bereits ein erster Urheberrechtsstreit Anfang der 1920er Jahre. Was bereits damals für Aufregung gesorgt hat ist heute ebenfalls Gang und Gäbe, da vor allem Konzepte, aber auch künstlerische Arbeiten ohne korrekte Zitierung des Urhebers übernommen werden.

Dadaisten beschäftigten sich mit Sprache und Lautmalerei, oftmals ohne kohärenten Text vielmehr als Titel von Werken oder Zitaten. Präsentationen ihrer künstlerischen Arbeitsweise fanden Ausdruck in Literatur, Theater, Ausstellung von Kunst und mit Musik, damals vor allem im Cabaret Voltair, das sie für die Präsentation ihrer künstlerischen Werke gründeten. Zum 50-jährigen Jubiläum des Kabarett Voltair’s gratulierte Hans Arp mit den Worten ‘Bevor Dada da war, war Dada da’, was die Wortfindung und Abwandlung der Wortbedeutungen im Dadaismus ausmacht.

Clement Greenberg hat in seinen Kunstkritiken einen ähnlichen Schreibstil verwendet, in meine Text ‘Imitating Imitation after Clement Greenberg’ habe ich im Titel diesen Stil verwendet um über Clement Greenberg’s Arbeit und das Thema Copyright in der Kunst zu schreiben. Die Fragestellung beschäftigte sich mit dem Ursprung eines Konzeptes, wer war zuerst da und hat etwas entworfen und hebt Kurator_innen und Kunstkritiker_innen als wesentlich für Künstler_innen, als Übersetzer_in der künstlerischen Intention hervor, was ich auch in meinem Buch Michelangelo Buonarotti versus Jeremy Deller näher beleuchtet habe.

Clement Greenberg, hat als Kunstkritiker den Ausgang der zeitgenössischen Kunst mit der Avant-Garde durch das Ready-made von Marcel Duchamp beschrieben und somit Ordnung in die losen Kunstgattungen der Dadaisten gebracht, die das Erstellen von Kunst an sich nicht als Hauptsache  erachteten. Dem Betrachter oder der Betrachterin soll Raum gegeben werden eigene Gedanken zu fassen, was Greenberg nicht als Kunst bezeichnete, da das Visuelle mit dem Inhaltlichen erst das Ganze ergibt. Im Gegensatz dazu sagt Suzanne Langer, dass Kunst über Worte die diese beschreiben kann hinaus geht.

Meines Erachtens nach ist, wie Foucault in seinem Buch ‘Die Heterotopien. Der utopische Körper’ beschreibt der leere Raum wichtig um sich in Ruhe mit dem Gezeigten auseinanderzusetzen, jedoch stimme ich mit Greenberg überein, dass ein wesentlicher Punkt das Kunstwerk an sich ist, der leere Raum zwischen Kunstwerk und Betrachter_in jedoch, die Subjekt-Objekt Beziehung zusätzlich näher definiert, ein Raum der auch variable ist und die vierte Konstante, die der Koreanische Künstler und Mitbegründer der Mono-Ha Bewegung Lee Ufan beschreibt, ist die Festlegung im realen Raum und der Bezug zu einem Ort, der die Szenerie näher definiert und einen real zu besuchenden Ort schafft, an dem Kunstwerke erfahrbar werden, auch von mir in Bezug gesetzt zum Japanischen Künstlers Yasuaki Onishi anhand eines umgesetzten Kunstwerkes im semi-öffentlichen Raum und der Weiterentwicklung Foucault’s drei Komponenten der Definition eines Raumes.

Ausgehend von der Volkskultur entwickelt sich der Kitsch, der dann in die kunstgeschichtlichen Epochen übergeht schreibt Greenberg. Gerade für Volkskultur, die auch Dialekte und Mundart verwenden mit sich bringt, sind meiner Ansicht nach Übersetzer_innen, sei es durch mündliche Weitergabe und anschließend schriftliche Umsetzung und Erklärung in Hochdeutscher Sprache, nötig, wobei im Falle der Kunst die Übersetzer Kurator_innen sind, die zwischen Besuchern und Künstler_innen, durch ihre Texte und Führungen durch Ausstellungen vermitteln und diese erfahrbar machen.

Man könnte meinen, dass zur Umsetzung von Dada Kunst ein Buch an sich reichen könnte, das Texte und deren Übersetzung für die Besucher_innen bietet, jedoch möchte ich den jungen vom Dadaismus beeinflussten Künstler Daniel Krammer herausfordern sich in die visuelle Umsetzung seiner Ideen und Texte einzubringen und wie er in einem Kunstwerk beschrieben hat, die das Ganze treffend formuliert: ‘Trümmer f abelh after: Neu Beginn’. Aus dem ‘Nichts’ wird ‘Etwas’ oder wie in der Mono Ha Lehre beschrieben ‘Nichts ist Etwas’.

Ich freue mich auf die Umsetzung der Ausstellung ‘Synästhesie von Daniel Krammer’ im Rahmen von ‘Zu Gast am Schlossberg’ und lade Sie recht herzlich zum Besuch im Glockenturm ein. Öffnungs- und Ausstellungszeiten siehe unten stehend.

Bildverweis: Daniela Haberz, M.A. für AØH Art Consultancy Haberz

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Eröffnung: 25.05.2018 um 15:00 – 20:00 Uhr
Laufzeit: 26.05. – 06.07.2018
Finissage: 07.07.2018 11:00 – 15:00 Uhr
Ort: Glockenturm, Schlossberg 6, 8010 Graz
Geöffnet: Do. & Fr. 15:00 – 18:00 Uhr, Sa. 11:00 – 15:00 Uhr
und nach Terminvereinbarung unter +43 (0) 664 182 8678

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Kontakt Kuratorin/ Projektleiterin:

Daniela Haberz, M.A.
AØH Art Consultancy Haberz
E-mail: dhaberz@artconsultancyhaberz.org
Mobil: +43 (0) 664 182 8678
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Kontakt Künstler:
Daniel Krammer, B.A.
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Zur aktuellen Lage in Österreich 2018/ The current situation in Austria 2018

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Gestern habe ich zufällig einen Gesprächsteil von zwei Männern mit angehört, die sich über die aktuelle Debatte zum nazistischen Liedgut unterhielten. Gesprächsfetzen der Konversation waren: ‘Nun sind unsere Lieder nazistisches Liedgut, aber wir singen sie doch von Kindheit an’.

Dies gab mir zu denken, was wenn ich in einer Familie mit rechtsextremen Hintergrund aufgewachsen wäre, tagtäglich der Einfluss meiner Eltern und ihrer Freunde, keine anderen Meinungen, die mir eine  selbständigen Entscheidung in eine andere Richtung möglich gemacht hätten, da es ‘normal’ war, wie einer der beiden Männer sagte. Wie ich vorbei ging sind sie sofort verstummt, da es ihnen offensichtlich unangenehm war, ihre politische Orientierung öffentlich zu machen.

Dieser Diskurs soll nun keinesfalls meine liberale und weit entfernte Meinung zur rechtsextremen Haltung, die sich in unserem Land verbreitet, ändern, da meine Einstellung klar entgegen der rechte Einstellungen der FPÖ, in die sich auch die Koalitionspartner ÖVP mit hineinziehen lässt, ist und ich auch klar dafür einstehe mich gegen die aktuellen Tendenzen der Ausgrenzung von ausländischen Einwohnern oder Randgruppen, die auf soziale Leistungen unseres Landes angewiesen sind ausspreche.

Man bekommt jedoch auch das Gefühl, wenn man, wie ich im Kulturbereich arbeitet, man muss in gewisser Weise tolerieren, wie es derzeit zugeht, da man auf die Förderungen, angewiesen ist die von der Regierung vergeben werden.

Trotzdem möchte ich hiermit ein klares Statement gegen die rechte Einstellung unseres Landes und für Menschenrechte und soziale Wärme in unserem Land machen und hoffe, dass auch Wähler der FPÖ nicht in die tiefste Vergangenheit zurückgehen, die unser Land gespalten hat und Menschen, die nicht konform gingen ausgeschlossenen und aus dem täglichen Leben ausgelöscht haben.

Hoffen wir, dass wie unser Bürgermeister, der ÖVP seinen Koalitionspartner von den in seiner Wahlbroschüre beschriebenen Vorsätzen der Inklusion aller Bewohnern meiner Heimatstadt Graz, überzeugen kann und wir eine lebenswerte Stadt für alle Einwohner sind, ob jung ob alt und mit liberalem und offenen Einstehen für die Werte einer europäischen Gemeinschaft auch als Vorbild für das gesamte Land.

Daniela Haberz, M.A.
Kuratorin & freie Journalistin

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Yesterday, I overheard a conversation between two men who discussed the current debate about extreme-right songs. Part of the conversation was that they sang these songs since their early childhood and did not understand why they should be forbidden now. This made me think, what if I would have grown up in a family with far-right views and would not have had the possibility to form my own liberal opinion being surrounded by family and friends that made these extremist views ‘normal every-day’ as the two man stated. They suddenly stopped talking when I passed by obviously ashamed to state their political views in public.

This discourse should not give the impression that my liberal views do not prevail in my life and that I am clearly opposed to the extremist right, that takes over in our country and to state that as well the ÖVP peoples party begins to be drawn into the right wing ideas of their coalition partner.

Working in the cultural sector one as well gets the feeling to need to look into the other direction at times to still receive funds to realise projects that are allocated by the current government.

Nevertheless I would like to make a clear statement against the far-right views our country is currently undergoing and as well hope that people who voted for the far-right party FPÖ do not go back in history that separated our country and segregated people who did not go conformist and were extinct from every day life.

Let’s hope that our mayor from the peoples party ÖVP convinces his coalition partner FPÖ of the views he stated in his election pamphlet inclusion for all people living in my home-town Graz and that we are a welcoming town for all people no matter if young or old and with a liberal and open-minded position for the values of a European Community and therewith becoming a role-model for the entire country.

Daniela Haberz, M.A.
Curator and independent Critic